Geschichte der Gewürze

 

Die Welt der Gewürze

Früher war das so: Safran, Vanille, Macis und andere exotische Gewürze wurden mit Gold aufgewogen, machten Städte und Herrscher reich, veranlassten Kolonialmächte um die besten Gewürzrouten zu kämpfen - es kostete so manchem Kopf und Kragen, wenn der illegale Handel aufgedeckt wurde. Um die Gewürzpflanzen ranken sich aber auch Geschichten, die von Aberglauben, Liebe und immer wieder von ihren besonderen Heilkräften erzählen. Heutzutage ist das so: Exotische Körner, Samen und Schoten geben unseren Kochkünsten das gewisse Etwas. Kopf und Kragen kosten sie uns nur, wenn wir es "zu gut" gemeint und zu viel von den guten Gewürzen erwischt haben. Wer seine Speisen mit einer speziellen Note verfeinern möchte, braucht dafür nur ein wenig Fingerspitzengefühl. Und: Freude am Ausprobieren sowie das Gewürz-ABC von Kotányi.

Vor langer Zeit

Der Handel mit Gewürzen hat über Jahrtausende eine bedeutende Rolle gespielt. Es ging dabei um Macht und Reichtum. Viele kostbare Gewürze kamen aus Indien, China und Indonesien. Im Mittelalter wurde der Gewürzhandel vor allem von den osmanischen Herrschern kontrolliert, die gut daran verdienten. Den Seefahrern war es leid, die überhöhten Preise für Pfeffer, Zimt oder Ingwer zu zahlen. Sie suchten eigene Wege nach Indien, um das Handelsmonopol der Osmanen zu durchbrechen.

Jahrtausende alte Gewürzgeschichte

Schon in der Jungsteinzeit wurden Gewürze verwendet: In Pfahlbauten fand man Kümmel. Die alten Ägypter hatten vor 4.000 bis 5.000 Jahren Zwiebel, Knoblauch, Wacholder und Kümmel nicht nur als Speisezutaten, sondern auch als Arzneien und Schönheitspflege in Verwendung. In Überlieferungen aus Mesopotamien scheinen diese Gewürze ebenfalls auf. In China wurden schon vor 3.000 bis 4.000 Jahren Sternanis, Safran und Ingwer verwendet. Den Philosophen und Ärzten im alten Griechenland und Rom waren viele der Kräuter und Gewürze, die auch heute verwendet werden, schon vor 2.500 Jahren bekannt. Sie wurden damals vor allem als Heilpflanzen eingesetzt. Alexander der Große brachte von seinen Feldzügen aus Persien und Indien Pfeffer und Zimt mit. Importierte Gewürze galten bei den Griechen als Zeichen des Wohlstandes. Vor rund 2.000 Jahren bedienten sich die Römer der griechischen Gewürzkunde und begannen, diese selbst zu kultivieren. Julius Cäsar versuchte mit seinen Feldzügen das Handelsmonopol der Araber zu brechen, die sich ihre Gewürze teuer bezahlen ließen.

Im 8. und 9. Jahrhundert nach Christus brachten Benediktinermönche Gewürze und Kräuter über die Alpen nach West- und Mitteleuropa. Die Äbtissin Hildegard von Bingen hatte im 12. Jahrhundert große Bedeutung für den Anbau von Gewürz- und Heilpflanzen, weil sie das überlieferte Wissen der Griechen und Römer mit der Volksmedizin kombinierte und damit einem größeren Personenkreis zugänglich machte.

Kolumbus und das venezianische Monopol

Im 13. Jahrhundert bekam der venezianische Kaufmann Marco Polo auf seinen Seefahrten als erster Europäer Muskatnüsse und Gewürznelken zu Gesicht - an der Malabarküste entdeckte er Pfeffer, Ingwer und Zimt. Zu dieser Zeit waren Gewürze kostbar wie Gold. Ende des 15. Jahrhunderts konnte Christoph Kolumbus die berühmten indischen Gewürze in Amerika (das er für Indien hielt) natürlich nicht finden. Allerdings brachte sein Schiffsarzt Diego Chanca die scharfe Chilischote mit nach Europa. Während Christoph Kolumbus Amerika entdeckte, segelte der Portugiese Vasco da Gama 1498 nach Kalkutta und brach damit das Handels-Monopol der Osmanen. Als der Seeweg nach Indien bekannt war, war es mit dem venezianischen Monopol endgültig vorbei.

Am Anfang des 16. Jahrhunderts brachte Hernán Cortés die Kakaobohne aus Amerika mit, wo er in Mexiko auch die Vanilleschote als aromatische Zugabe zu Kakao kennenlernte. Zu dieser Zeit vernichteten die Portugiesen sogar Pflanzungen von Gewürzen, um die Preise weiterhin hoch halten zu können. Ende des 16. Jahrhunderts begannen die Spanier und Holländer, den Portugiesen die Vormachtstellung im Gewürzhandel streitig zu machen. Franciso Hernandez de Toledo reiste im Auftrag König Phillips II. nach Mexiko. Er fand einen besonderen Pfeffer, den er „piper tabasci“ - nach der mexikanischen Provinz Tabasco - nannte. So kam Piment nach Europa.

Vom Würzmittel zum Welthandelsgut

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gelang es den Holländern, die Portugiesen aus dem Welthandel zu verdrängen. Sie wurden strenge und unbarmherzige Hüter ihres Monopols. Auf Ceylon erließen sie ein Gesetz über die kontrollierte Anpflanzung von Zimt- und Muskatnussbäumen. Bei Missachtung drohte die Todesstrafe. Die Briten festigten jedoch nach kurzer Zeit ihre Herrschaft in Indien und traten damit das Nachfolge-Monopol im Gewürzhandel an. Pierre Poivre, der französische Statthalter von Mauritius, ließ im Jahr 1770 Muskatnussbäume von den Molukken (einer indonesischen Inselgruppe) entführen, um das Monopol zu brechen. In dieser Zeit gelang es den Franzosen außerdem, den Anbau von Gewürznelken auf andere Inseln auszudehnen. Ab dann stieg die Weltproduktion sprunghaft an. Mit dem nun vereinfachten Handel und den immer besseren Transportmöglichkeiten fielen sowohl die Preise, aber auch die Bedeutung von Gewürzen.